| Veranstaltung: | Landesparteitag 07.11.2026 in Lebach |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 2. Leitbild |
| Antragsteller*in: | Landesparteirat (dort beschlossen am: 19.09.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 29.09.2026, 09:25 |
L1: Kultur der Zusammenarbeit: Ein Leitbild für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Saarland
Antragstext
Der Landesparteitag möge beschließen:
1. Präambel
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Saarland geben sich das nachfolgende Leitbild „Kultur der
Zusammenarbeit“. Es beschreibt vier Leitwerte, an denen sich unsere
Zusammenarbeit auf allen Ebenen - Ortsverband, Kreisverband und Landesverband -
orientieren soll. Grundlage hierfür sind eine Mitgliederumfrage sowie drei
Workshops, in denen die Ergebnisse der Umfrage diskutiert, geschärft und anhand
konkreter Anwendungsbeispiele erprobt wurden.
2. Die vier Leitwerte
- Klarheit
„Wir ermöglichen Orientierung durch verständliche Prozesse, klare
Absprachen und transparente Kommunikation und schaffen Räume für
vertrauensvollen Austausch.“
- Wertschätzung
„Wir schaffen eine Kultur, in der wir uns gegenseitig unterstützen und in
der sich alle unabhängig von Rolle und Erfahrung einbringen können.“
- Wirkungsorientierung
„Wir gestalten Treffen, Prozesse und Projekte so, dass sie Ressourcen
schonen, zu klaren Ergebnissen beitragen und unsere gemeinsamen Ziele
voranbringen.“
- Verantwortung für die Zukunft
„Wir handeln so, dass Zusammenarbeit, Strukturen und politische
Entscheidungen auch morgen tragfähig bleiben - für Menschen, Demokratie
und natürliche Lebensgrundlagen.“
3. Auftrag an den Landesvorstand: Das Leitbild lebendig
halten
Der Landesvorstand wird beauftragt, das Leitbild nicht als reines
Beschlussdokument zu behandeln, sondern es dauerhaft mit Leben zu füllen, damit
sich jedes Mitglied darin wiederfindet. Die Gliederungen des Verbandes sind
eingeladen, im Alltag die im Leitbild beschriebene Kultur weiterzuentwickeln.
LaVo und LGS sollen dabei insbesondere die kleineren Gliederungen unterstützen
und den Rahmen setzen. Dazu gehören insbesondere folgende Maßnahmen:
1. Sichtbarkeit im Alltag schaffen: ständige Präsenz der Leitwerte in Mails,
Briefen und auf der Homepage, ggf. mit eigenem Logo sowie über Kampagnenformate.
2. In Entscheidungen übersetzen: Bereitstellung einer Anwendungs-Checkliste für
Mitglieder, sowie regelmäßiger Reflexionsfragen, damit die Leitwerte in Gremien,
bei Kandidaturen und im Alltag konkret angewendet werden können.
3. Vorleben und Verantwortung stärken: Vorbildfunktion von
Funktionsträger*innen, Benennung von Leitbild-Verantwortlichen sowie
regelmäßige, sichtbare Praxisbeispiele, etwa im Newsletter, bei Bewerbungen, bei
Rechenschaftsberichten etc.
4. Strukturell verankern: feste Integration des Leitbilds in
Neumitgliedertreffen, Personalausschreibungen, Vorstellungsgesprächen,
Veranstaltungen in den Ortsverbänden sowie in wiederkehrenden Abläufen (z. B.
Standard-Check bei Anträgen, Aufnahme in Präambeln und Materialien).
5. Beteiligung und Weiterentwicklung ermöglichen: Fortführung des Prozesses, z.
B. durch einen Ideenwettbewerb für weitere Praxisbeispiele, regelmäßige
Feedbackschleifen, sowie eine verpflichtende jährliche Evaluation durch den
Parteirat.
6. Identifikation und Gemeinschaft fördern: kreative Visualisierung der
Leitwerte, gemeinsame Bildsprache sowie Nutzung von Parteitagen für
Sichtbarkeit, Austausch und Anerkennung guter Praxis.
Begründung
Zur Entwicklung des Leitbilds wurde zunächst eine Mitgliederumfrage entlang von
vier Dimensionen durchgeführt:
„Arbeit & Wirksamkeit“, „Miteinander & Haltung“, „Treffen & Prozesse“ sowie
„Grundlegende Orientierungen“. In jeder Dimension wurden fünf mögliche Werte zur
Bewertung vorgelegt. Die höchste Zustimmung erhielten dabei Wirksamkeit (95) und
Transparenz (94) in der Dimension Arbeit & Wirksamkeit, Wertschätzung (126) in
der Dimension Miteinander & Haltung, Klarheit (110) in der Dimension Treffen &
Prozesse sowie Nachhaltigkeit (110) und Zukunftsfähigkeit (100) in der Dimension
Grundlegende Orientierungen.
Auf dieser Basis wurde ein Vorschlag mit vier Wertepaaren erarbeitet
(Klarheit/Transparenz, Wertschätzung, Wirksamkeit/Effizienz,
Nachhaltigkeit/Zukunftsfähigkeit), der in drei ganztägigen Workshops in
Saarbrücken, Homburg und Merzig weiterentwickelt wurde. In allen drei Workshops
bestätigte sich Wertschätzung unabhängig von der jeweiligen Formulierung als
zentraler Wert; ergänzend wurden u. a. Klarheit/Transparenz,
Wirksamkeit/Effizienz und Nachhaltigkeit/Zukunftsfähigkeit sowie Aspekte wie
Offenheit, Nachvollziehbarkeit und Ergebnisorientierung diskutiert. Innerhalb
der Workshops wurden die vier Begriffspaare inhaltlich gegeneinander abgewogen:
- Klarheit vs. Transparenz: Klarheit wurde bevorzugt, da der Begriff kein
Fremdwort ist, stärker ergebnisbezogen wirkt und sowohl Ergebnisse als
auch Prozesse beschreiben kann.
- Wirksamkeit vs. Effizienz: Als Vorschlag wurde „Wirkungsorientierung“
gewählt, da sie Aspekte von Ergebnis- und Ressourcenorientierung
verbindet; alternativ wurde „Wirksamkeit“ diskutiert, da sie aktivierender
und weniger technisch wirkt als „Effizienz“.
- Nachhaltigkeit vs. Zukunftsfähigkeit: Als Vorschlag wurde „Verantwortung
für die Zukunft“ gewählt, da sie sowohl bewahrende als auch gestaltende
Aspekte verbindet.
Aus diesen Überlegungen sowie aus den in den Workshops gesammelten
“Wortumfeldern” zu allen vier Leitwerten wurden anschließend die im Antragstext
formulierten Leitsätze entwickelt.
Anwendungsbeispiele
Der Landesparteitag nimmt die in den Workshops erarbeiteten Anwendungsbeispiele
als Orientierung für die praktische Umsetzung des Leitbilds zur Kenntnis. Sie
zeigen beispielhaft, wie die vier Leitwerte auf konkrete Themen der
Verbandsarbeit angewendet werden können, u. a. auf:
• die Planung von Veranstaltungen mit möglichst breiter Zielgruppenansprache,
• das Zusammenspiel der Ebenen Ortsverband/Kreisverband/Landesverband,
• die Integration neuer Mitglieder,
• die Öffentlichkeitsarbeit und die Ansprache von Bürger*innen,
• die Arbeit in sozialen Medien,
• die Entwicklung und Auswahl von Kampagnen,
• die Arbeit in Gremien, insbesondere im Vorstand,
• die authentische Kommunikation einer Zukunftserzählung,
• den Aufbau einer Willkommenskultur für neue und inaktive Mitglieder.
Weshalb ein Auftrag zur Verstetigung notwendig ist
In allen drei Workshops wurde übereinstimmend benannt, woran ein Leitbild
scheitern kann: fehlende Beteiligung und Identifikation der Mitglieder,
Festhalten am Status quo, Überkomplizierung durch lange Texte und Fremdwörter,
interne Konflikte und mangelnde Geschlossenheit, fehlende Umsetzung im Alltag
sowie fehlende Ressourcen und Verbindlichkeit nach dem Beschluss. Insbesondere
wurde wiederholt die Sorge geäußert, dass ein Leitbild „an der Wand hängt“ oder
„in der Schublade verschwindet“, wenn es nicht aktiv angewendet, nachgefragt und
weiterentwickelt wird.
Die unter Punkt 3 des Antragstextes formulierten Maßnahmen greifen genau diese
in den Workshops benannten Risiken auf und sollen sicherstellen, dass das
Leitbild ein lebendiges Arbeitsinstrument des Landesverbands wird und bleibt.