| Veranstaltung: | Landesparteitag 07.11.2026 in Lebach |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 4. Beratung und Beschlussfassung des Wahlprogramms |
| Antragsteller*in: | Landesvorstand (dort beschlossen am: 30.09.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 08.10.2026, 08:34 |
WP 8: Wahlprogrammkapitel: Bauen, Stadt, Land & Sport
Antragstext
Was wir sehen
Menschen wollen dort gut leben können, wo sie zuhause sind. Dazu gehören
bezahlbarer Wohnraum, eine gute gesundheitliche Versorgung, lebendige Ortskerne,
ein vielfältiges Kulturangebot sowie Möglichkeiten für Sport und Bewegung und
die Gewissheit, dass alle wichtigen Angebote erreichbar sind. Doch oft fehlen
bezahlbare Wohnungen, gleichzeitig stehen vielerorts Häuser leer. Hausarztpraxen
finden keine Nachfolge, Pflegekräfte arbeiten am Limit und gerade ältere
Menschen finden oft keine barrierefreie Wohnung in ihrer Umgebung. Zugleich
sehen wir in der medizinischen Versorgung große Defizite bei der
Geschlechtergerechtigkeit. Noch immer werden unterschiedliche gesundheitliche
Bedürfnisse und Krankheitsverläufe nicht ausreichend berücksichtigt.
Auch kulturelle Angebote und Orte der Begegnung sind vielerorts von der
Finanzkraft der Kommunen abhängig. Ähnlich ist es beim Sport. Vereine und ihre
vielen Ehrenamtlichen leisten einen wichtigen Beitrag zu Gesundheit,
Gemeinschaft und Teilhabe. Zugleich sind viele Sportstätten sanierungsbedürftig,
nicht ausreichend barrierefrei oder nicht auf die Folgen der Klimakrise
vorbereitet. Vereine stehen zudem vor der Herausforderung, Ehrenamtliche zu
gewinnen und komplexe Antrags- und Verwaltungsverfahren zu bewältigen. Für viele
Menschen stellen außerdem Mitgliedsbeiträge, Ausrüstung, Fahrtkosten, fehlende
Barrierefreiheit oder Diskriminierung Hürden für den Zugang zu Sportangeboten
dar.
Wer auf dem Land lebt, ist wegen des oft dürftigen ÖPNV-Angebots häufig auf das
Auto angewiesen. Gerade in kleineren Orten verschwinden Einkaufsmöglichkeiten
und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs.
Auch eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ist entscheidend dafür, ob
ländliche Räume attraktive Orte zum Leben und Arbeiten bleiben. Besonders für
junge Menschen hängen gute Perspektiven abseits großer Städte auch von
Mobilität, erreichbaren Freizeit- und Begegnungsorten sowie digitalen Angeboten
ab.
Diese Perspektiven speisen sich auch aus dem, was das Saarland auszeichnet.
Unsere Landschaften, Wälder, Rad- und Wanderwege, Kulturorte und regionale
Angebote sind eine Stärke und eine Grundlage für einen nachhaltigen Tourismus.
Gerade im ländlichen Raum kann Tourismus zur regionalen Wertschöpfung beitragen
und Angebote vor Ort stärken. Dabei müssen touristische Entwicklung, Natur- und
Klimaschutz sowie die Interessen der Menschen vor Ort zusammengedacht werden.
Das Saarland steht dabei vor besonderen Herausforderungen. Unsere Bevölkerung
wird älter, viele Gebäude sind sanierungsbedürftig und zugleich schwindet das
Leben in den Ortskernen. Hitze, Starkregen und andere Folgen der Klimakrise
machen deutlich, dass wir unsere Städte, Dörfer und soziale Einrichtungen
widerstandsfähiger gestalten müssen. Das Potenzial dafür liegt in leerstehenden
Wohnungen, untergenutzten Häusern und starken Nachbarschaften.
Was wir wollen
Statt Flächenversiegelung wollen wir vorhandene Strukturen stärken und Stadt und
Land gleichermaßen zukunftsfähig machen.
Wir wollen bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum schaffen und dafür zuerst
leerstehende Häuser und untergenutzte Gebäude nutzen. Älteren Menschen
erleichtern wir den altersgerechten Umbau ihrer Häuser, damit sie in ihrer
vertrauten Umgebung bleiben können.
Kulturelle Angebote und Orte der Begegnung wollen wir sichern, Sportstätten
sanieren, barrierefrei und klimafest machen, das Ehrenamt von komplexen Antrags-
und Verwaltungsverfahren entlasten und Zugangshürden für Sportangebote abbauen.
Wir wollen das ÖPNV-Angebot insbesondere auf dem Land ausbauen,
Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs vor Ort sichern
und für eine leistungsfähige digitale Infrastruktur sorgen, damit auch jungen
Menschen außerhalb der größeren Städte gute Perspektiven eröffnet werden.
Die Stärken des Saarlandes wollen wir für einen nachhaltigen Tourismus nutzen,
der regionale Wertschöpfung schafft und touristische Entwicklung, Natur- und
Klimaschutz sowie die Interessen der Menschen zusammen denkt. Und wir wollen
unsere Städte, Dörfer und sozialen Einrichtungen widerstandsfähig gegen Hitze,
Starkregen und andere Folgen der Klimakrise machen.
Was wir tun
1. Wir schaffen dauerhaft bezahlbaren Wohnraum.
Wir orientieren uns am Wiener Modell und schaffen bezahlbaren Wohnraum durch
eine aktive Rolle von Kommunen, gemeinwohlorientierten Wohnungsunternehmen und -
genossenschaften. Wir setzen auf langfristige Sozialbindungen, stärken kommunale
Wohnungsbaugesellschaften und ermöglichen ihnen bessere
Finanzierungsmöglichkeiten. Zusätzlich kaufen wir Belegungsrechte an bestehenden
Wohnungen an, damit mehr Menschen schnell Zugang zu bezahlbarem Wohnraum
erhalten. Öffentliche Grundstücke halten wir im öffentlichen Eigentum. Wo dies
nicht möglich ist, erfolgt die Vergabe nach gemeinwohlorientierten Konzepten
statt zum Höchstpreis.
2. Wir aktivieren vorhandenen Wohnraum.
Leerstehende Häuser und Wohnungen dürfen nicht ungenutzt bleiben. Wir schaffen
ein Wohnraumschutzgesetz, das Kommunen ermöglicht, Leerstand zu erfassen und
längerfristig ungenutzten Wohnraum wieder verfügbar zu machen. Dabei setzen wir
auf Beratung und Unterstützung statt auf Bürokratie und Sanktion. Leerstände und
andere bereits beanspruchte Flächen wollen wir systematisch erfassen, damit
Kommunen ihre Entwicklung stärker auf vorhandene Flächen ausrichten können.
3. Wir stärken den Gebäudebestand und unsere Baukultur.
Im Saarland liegen Wohnraumpotenziale in bestehenden Ein- und
Zweifamilienhausgebieten. Mit einem landesweiten Revitalisierungsprogramm
fördern wir Umbau, Aufstockung und Teilung bestehender Gebäude.
Architektengutscheine ermöglichen Eigentümer:innen eine kostenlose Erstberatung
für Sanierung, barrierefreien Umbau oder die Schaffung zusätzlicher Wohnungen.
Wir erleichtern das Bauen und Umbauen im Bestand, indem wir für Bestandsgebäude
in der Landesbauordnung keine Neubau-Standards beim Brand- und Schallschutz
fordern („Oldtimer-Regelung“). Sicherheit, Barrierefreiheit und Klimaschutz
bleiben zentrale Zukunftsaufgaben. Wir bauen Sanierungshemmnisse ab und
erleichtern den Erhalt sowie die Weiterentwicklung bestehender Gebäude.
Sanierung und Erhalt haben Vorrang vor Abriss und Neubau, auch um die gebundene
graue Energie zu bewahren.
Beim Bauen und Sanieren setzen wir auf ressourcenschonende, nachwachsende,
wiederverwendbare und kreislauffähige Baustoffe. Neubauten werden so geplant,
dass sie langfristig flexibel genutzt, umgebaut und ihre Materialien möglichst
wiederverwendet werden können.
Historische Gebäude und gewachsene Ortsbilder sind Teil der Identität unserer
Städte und Dörfer. Denkmalpflege und energetische Sanierung werden wir stärker
zusammendenken und Eigentümer:innen bei denkmalverträglichen Lösungen, u. a. bei
Sanierung, energetischer Sanierung und neuen Nutzungskonzepten, beraten und
unterstützen. Leerstehende historische Gebäude werden nach Möglichkeit erhalten
und wieder mit Leben gefüllt.
Gute Baukultur bedeutet für uns zugleich, bei Neubauten, Umbauten und
öffentlichen Räumen stärker auf Gestaltungsqualität, Nachhaltigkeit und die
Einfügung in das bestehende Ortsbild zu achten. So schaffen wir neuen Wohnraum
und bewahren die Identität unserer Orte.
4. Wir schaffen Wohnraum für alle Generationen und
Lebensphasen.
Menschen sollen so lange wie möglich selbstbestimmt in ihrer gewohnten Umgebung
leben können. Deshalb unterstützen wir Eigentümer:innen bei altersgerechten
Modernisierungen. Gemeinschaftliche Wohnformen, Mehrgenerationenhäuser, ambulant
unterstützte Wohnangebote, Senior:innen- und Pflegewohngemeinschaften sowie
generationenübergreifende Begegnungsangebote stärken wir gezielt. Gleichzeitig
erleichtern wir jungen Menschen den Erwerb und die Sanierung von Wohneigentum.
Zinsgünstige Darlehen und Tilgungszuschüsse der Saarländischen
Investitionskreditbank (SIKB) werden wir künftig auch kinderlosen Paaren und
Einzelpersonen zugänglich machen.
5. Wir entwickeln lebendige Quartiere mit kurzen Wegen.
Neue Wohngebiete müssen gemeinsam mit Nahversorgung, Gesundheitsangeboten,
Begegnungsorten sowie Sport- und Bewegungsmöglichkeiten und guter Mobilität
geplant werden. Wir fördern Gemeinschaftshäuser, Quartierszentren, Jugendclubs
und Mehrzweckräume und stärken das Prinzip der kurzen Wege, damit die
wichtigsten Einrichtungen des täglichen Lebens gut erreichbar sind.
In multifunktionalen Dorfzentren können (automatisierte) Dorfläden, Verwaltung,
medizinische und weitere Dienstleistungen, Kulturangebote, Co-Working-Plätze und
Mobilitätsangebote zusammenkommen. Damit schaffen wir bessere Voraussetzungen,
damit Menschen im ländlichen Raum wohnen und arbeiten können und junge Menschen
und Familien eine Perspektive zum Bleiben oder Zurückkehren finden. Auch
Jugendliche brauchen wohnortnahe Treffpunkte, Freizeitangebote und
Mitgestaltungsmöglichkeiten. Deshalb unterstützen wir den Erhalt und die
Gründung von Jugendclubs und -zentren.
Kommunen unterstützen wir dabei, frei zugängliche Bewegungs- und Sportflächen zu
schaffen, aufzuwerten und zu erhalten – von Bolz- und Basketballplätzen über
Skateanlagen, Tischtennis und Boule bis zu Bewegungsparcours. Diese sind
wohnortnah, sicher und möglichst barrierefrei nutzbar. Sport und Naturschutz
bringen wir durch durchdachte Wegekonzepte, Besucher:innenlenkung und die
Zusammenarbeit von Sport, Kommunen, Forst und Naturschutz zusammen. So
ermöglichen wir nachhaltige Sportveranstaltungen und klimafreundliche Wege.
6. Wir sorgen für begrünte Innenstädte und Dorfzentren.
Hitzewellen und Starkregenereignisse haben in den letzten Jahren zugenommen. Mit
der Entsiegelung von Flächen, mehr schattenspendenden Bäumen, Dach- und
Fassadenbegrünungen und Regenrückhaltesystemen sorgen wir für besseren
Hitzeschutz in Innenstädten und verdichteten Ortskernen. Gleichzeitig erhöhen
wir damit den Schutz vor Starkregen, da mehr Wasser lokal gespeichert werden
kann. Wir fördern und unterstützen unsere Kommunen beim Ausbau sowie dem Umbau
grün-blauer Infrastruktur. Damit leisten wir so einen wichtigen Beitrag zur
Klimaanpassung unserer Kommunen. und erhöhen die Lebensqualität in unseren
Städten und Dörfern.
7. Wir entwickeln das Saarland als nachhaltige
Tourismusregion.
Tourismus trägt gerade im ländlichen Raum zur Wertschöpfung bei, stärkt
Gastronomie, Handel und andere Angebote. Wir setzen auf einen nachhaltigen
Tourismus, der Natur und Landschaft schützt und die Stärken des Saarlandes
sichtbar macht. Natur-, Aktiv-, Rad- und Wandertourismus verbinden wir mit
Kultur-, Genuss- und Industriekulturangeboten. Dabei beziehen wir regionale
Produkte und die saarländische Küche stärker ein.
Touristische Ziele sollen ohne Auto gut erreichbar und barrierefrei sein.
Deshalb verknüpfen wir Rad- und Wanderwege besser mit Bus und Bahn und setzen an
stark besuchten Orten auf eine vorausschauende Besucher:innenlenkung.
Wir stärken die Zusammenarbeit von Tourismus, Gastronomie, Landwirtschaft,
Handwerk und Kultur und verbessern die digitale Sichtbarkeit und Buchbarkeit
touristischer Angebote. Dabei setzen wir auf Qualität, regionale Wertschöpfung
und gute Arbeitsbedingungen. Touristische Entwicklung soll gemeinsam mit den
Menschen vor Ort gestaltet werden.
8. Wir ermöglichen Sport und Bewegung für alle.
Wir unterstützen Vereine und Kommunen dabei, Sportstätten und Schwimmbäder zu
sanieren und barrierefrei sowie energieeffizient weiterzuentwickeln. Sanierung
und die Nutzung bestehender Anlagen haben Vorrang vor Neubau.
Bewegung fördert körperliche und psychische Gesundheit in jedem Alter. Wir
verzahnen Sport- und Gesundheitspolitik stärker miteinander und unterstützen
niedrigschwellige Bewegungsangebote – zum Beispiel Walking, Wandern, Fitness und
altersgerechte Bewegungs- und Entspannungsangebote. Sport soll allen Menschen
offenstehen – unabhängig von Einkommen, Geschlecht, Herkunft oder Behinderung.
Deshalb stärken wir bezahlbare und niedrigschwellige Angebote und unterstützen
insbesondere Kinder und Jugendliche aus einkommensarmen Familien. Wir fördern
Inklusion und Gleichstellung und unterstützen Vereine bei der Schaffung
diskriminierungsfreier Angebote dabei. Jedes Kind soll bis zum Ende der
Grundschule sicher schwimmen können. Dafür stärken wir die Zusammenarbeit von
Schulen, Schwimmvereinen, DLRG und Schwimmbädern. Gleichzeitig wollen wir auch
Erwachsenen den Zugang zu Schwimmkursen erleichtern und ihnen ermöglichen,
sicher schwimmen zu lernen.
9. Wir stärken Vereine, Ehrenamt und einen sicheren Sport.
Wir entlasten Vereine und Ehrenamtliche durch vereinfachte und digitale
Förderverfahren und stärken Beratungs- sowie Qualifizierungsangebote. Die
Sportförderung gestalten wir transparent. Bei der Infrastruktur berücksichtigen
wir auch Kinder- und Jugendarbeit, Inklusion, Gleichstellung und Integration.
Sport muss für alle sicher sein. Wir unterstützen Vereine und Verbände bei
Schutzkonzepten gegen sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt sowie bei
Beratungs- und Meldemöglichkeiten. Breiten-, Nachwuchs- und Leistungssport
entwickeln wir weiter und stärken die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit
Frankreich und Luxemburg.