| Veranstaltung: | Landesparteitag 07.11.2026 in Lebach |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 4. Beratung und Beschlussfassung des Wahlprogramms |
| Antragsteller*in: | Landesvorstand (dort beschlossen am: 30.09.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 08.10.2026, 08:30 |
WP 6: Wahlprogrammkapitel: Bildung & Wissenschaft
Antragstext
Was wir sehen
Bildung ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben. Sie eröffnet Chancen,
stärkt unsere Demokratie und ermöglicht gesellschaftlichen und wirtschaftlichen
Fortschritt. Gute und gerechte Bildung beginnt in der frühen Kindheit und
begleitet Menschen ein Leben lang: in der Kita, in der Schule, in Ausbildung und
im Studium, im Beruf und in der Weiterbildung. Unsere Gesellschaft verändert
sich schneller als je zuvor. Digitalisierung und künstliche Intelligenz
verändern Lernen und Arbeiten grundlegend. Junge Menschen müssen lernen,
Informationen kritisch zu bewerten, Verantwortung zu übernehmen und ihre Zukunft
aktiv zu gestalten.
Dabei können wir im Saarland auf viel aufbauen: auf engagierte Pädagog:innen,
starke Bildungsinstitutionen und erfolgreiche Ansätze, die schon heute zeigen,
was gute und gerechte Bildung möglich macht.
Doch das Versprechen auf gute und gerechte Bildung wird im Saarland nicht für
alle eingelöst. Noch immer entscheidet die soziale Herkunft zu häufig über
Bildungschancen und Lebenswege. Während einige Kinder schon früh gefördert
werden und ihre Talente entfalten können, starten andere mit Nachteilen, die
ihre Bildungsbiografie oft über viele Jahre hinweg prägen.
Gleichzeitig fehlen Fachkräfte in Kitas und Schulen, Unterricht fällt aus,
Lehrkräfte verbringen zu viel Zeit mit unterrichtsfernen Aufgaben und vielerorts
fehlen verlässliche, qualitativ hochwertige Ganztagsangebote.
Sanierungsbedürftige, nicht barrierefreie, wenig klimaresiliente und nicht den
Bedürfnissen einer modernen Pädagogik angemessene Bildungsgebäude erschweren
gutes Lernen. Viele Kinder und Jugendliche kommen täglich mit unterschiedlichen
Herausforderungen und Belastungen in die Schule, aber auch mit Fragen an die
Gesellschaft und Sorge um ihre Zukunft. Zu häufig erreichen Kinder und
Jugendliche nicht die notwendigen Grundlagen im Lesen, Schreiben und in
Mathematik. Das Saarland gehört in Deutschland zu den Ländern mit dem höchsten
Anteil von Schulabgängern ohne Schulabschluss. Dabei sichert nur ein
bestmöglicher Schulabschluss den Zugang zur Ausbildungsreife und zu beruflicher
Bildung.
Auch der Zugang zu Hochschulbildung und ein erfolgreiches Studium hängen noch zu
stark von den eigenen finanziellen und familiären Voraussetzungen ab. Steigende
Lebenshaltungskosten und fehlender bezahlbarer Wohnraum belasten Studierende.
Junge Menschen ohne akademischen Familienhintergrund müssen zudem häufig
zusätzliche Hürden beim Übergang an die Hochschule überwinden.
Berufliche Bildung hat derzeit nicht dieselbe Wertschätzung wie ein Studium,
obwohl beide Wege Innovation und Fachkräfte sichern. Weiterbildung wird immer
mehr Voraussetzung dafür, um in einer sich wandelnden Arbeitswelt selbstbestimmt
leben zu können.
Bildungspolitik muss deshalb alle Lebensphasen zusammendenken. Auch Kultur und
Kunst tragen dazu bei, Kreativität, Empathie und gesellschaftliche Teilhabe
lebenslang zu fördern.
Was wir wollen
Wir wollen ein Bildungssystem, das Menschen stärkt und motiviert. Jeder Mensch
soll seine Fähigkeiten unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Wohnort entfalten
können. Gute und gerechte Bildung ist für uns das selbstverständliche Recht
eines jeden Menschen.
Wir schaffen Bildungsorte, die Lust auf Lernen machen. In Kitas und Schulen
sollen Kinder und Jugendliche ihre Stärken entdecken, ihre Potenziale entfalten,
Verantwortung übernehmen und Demokratie erleben können. Kreativität, kulturelle
Teilhabe, nachhaltiges Handeln, digitale Souveränität und die Fähigkeit, mit
anderen zusammen Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln,
müssen die Ziele einer modernen Bildungspolitik sein. Lehrkräfte und
pädagogische Fachkräfte erhalten dafür das Vertrauen, die Zeit und die
Unterstützung, die sie brauchen. Lernen soll stärker an realen Fragestellungen
ansetzen und Wissen mit Anwendung verbinden. Projektorientierung, eigenständiges
Denken, Zusammenarbeit und eine zeitgemäße Feedbackkultur werden dafür zu
tragenden Prinzipien.
Mit einer systematischen, datengestützten Qualitätsentwicklung in Schulen wollen
wir die Basis schaffen, um Bildung zielgerichtet weiterzuentwickeln – immer mit
dem klaren Ziel, die Potenziale der Schüler:innen zu entfalten und damit ihre
Leistungen zu verbessern. Mit dieser neuen Bildungssteuerung werden Ressourcen
effektiver und zielgerichteter genutzt werden können.
Jede Schulform hat ihre spezifischen Herausforderungen und Bedarfe. Wir sorgen
dafür, dass die einzelnen Schulformen ihren spezifischen Bedürfnissen
entsprechend unterstützt und ausgestattet werden.
Berufliche Bildung und Hochschulbildung verstehen wir als gleichwertige und
durchlässige Wege, auf denen Menschen ihre Fähigkeiten entwickeln und neue
Perspektiven eröffnen können. Hochschulen sind für uns Orte guter Lehre und
freier Wissenschaft, des gesellschaftlichen Austauschs und der Innovation. Gute
Hochschulbildung braucht verlässliche Studienbedingungen, gute Beratung und
Unterstützung während des gesamten Studiums.
Gemeinsam mit beruflicher Aus- und Weiterbildung sichern Hochschulen
gesellschaftliche Teilhabe, die Ausbildung von Fachkräften und damit die
Zukunftsfähigkeit unseres Landes.
Wir investieren in eine Bildungslandschaft, die Menschen ein Leben lang
begleitet.
Was wir tun
1. Wir investieren in die Zukunft unseres Landes.
Bildung ist die wichtigste Investition in Chancengerechtigkeit, Demokratie und
wirtschaftliche Stärke. Deshalb werden wir die Bildungsausgaben erhöhen,
effektiver einsetzen und langfristig weiterentwickeln. Zusätzlich etablieren wir
andere finanzielle Unterstützungssysteme im Land, wie die Gründung einer
Bildungsstiftung.
2. Wir investieren mit neuer Bildungssteuerung gezielt dort,
wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird.
Die Nutzung von Sozialdaten ebenso wie von Lerndaten (regelmäßige
Lernstandserhebungen durch Tests) durch ein Qualitätsinstitut nach Hamburger
Modell ermöglicht es, Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen, die Wirksamkeit
von Maßnahmen wissenschaftlich zu überprüfen und Schüler:innen dadurch
individuell gezielt zu fördern. Zusätzliche Unterstützung richten wir konsequent
an einem Sozialindex aus. Multiprofessionelle Teams aus Schulsozialarbeit,
Schulpsychologie, Sprachförderung und Schulbegleitungen entlasten Lehrkräfte,
unterstützen und fördern Kinder individuell.
3. Wir schaffen gleiche Chancen von Anfang an.
Wir stärken die frühkindliche Bildung mit besseren Personalschlüsseln,
verbindlichen Qualitätsstandards, multiprofessionellen Teams. Eltern, die auf
die Betreuung zu außerplanmäßigen Zeiten angewiesen sind, wie z.B. Eltern im
Schichtdienst, wollen wir entsprechende Angebote zur Verfügung stellen und
ausbauen. Wir sorgen für flächendeckende Sprachbildung und Sprachförderung sowie
für die Förderung grundlegender sozialer und personaler Kompetenzen.
Familienzentren unterstützen Kinder und Eltern frühzeitig und erleichtern durch
verbindliche Strukturen den Übergang in die Schule.
4. Wir machen Ganztag zu echter Bildung.
Ganztag ist für uns mehr als Betreuung. Wir verbinden Unterricht, individuelle
Förderung, Sport, Kultur und Freizeit zu einem gemeinsamen Bildungsangebot.
Schulen öffnen sich für Vereine, Musikschulen, Jugendhilfe und
Kulturinstitutionen und werden zu lebendigen Orten im Sozialraum. Neben den
freiwilligen Ganztagsangeboten werden wir den gebundenen Ganztag unterstützen
und ausbauen. Dazu wollen wir kostenloses Mittagessen in Schulen und Kitas
ermöglichen, wie auch unbegrenzten freien Zugriff auf Menstruationsprodukte.
5. Wir stärken die Mitspracherechte der Schüler:innen.
Demokratie wird durch Mitgestaltung gelernt. Deshalb fördern wir verbindliche
Beteiligungsformate auf Augenhöhe, Demokratiebildung und demokratisches
Miteinander bereits in Kita und Grundschule. Wir werden Ideen, Sorgen und
Wünsche der Kinder und Jugendlichen stärker berücksichtigen. Kinder und
Jugendliche werden wir an der demokratischen Mitgestaltung des Bildungsalltages
ihrer Einrichtung wirksam beteiligen.
6. Wir stärken kulturelle Bildung, Mehrsprachigkeit und
europäische Begegnungen.
Wir stärken die Teilhabe an kultureller Bildung, die noch immer zu stark vom
Wohnort und den finanziellen Möglichkeiten der Familien abhängig ist. Deshalb
sorgen wir dafür, dass jede Schulklasse regelmäßig professionelle Kulturangebote
besucht. Die Kreismusikschulen werden wir verlässlich und ausreichend durch das
Land mitfinanzieren und damit ihre pädagogische Qualität sichern. Gerade im
Saarland werden wir Europa im Schulalltag erlebbar machen. Deshalb stärken wir
Schulpartnerschaften und Schüler:innenaustausche. Unser Ziel ist, dass alle
Schüler:innen die Möglichkeit erhalten, während ihrer Schulzeit an einer
grenzüberschreitenden Begegnung oder einem Austausch teilzunehmen. Schulen
unterstützen wir dabei, europäische Förderprogramme wie Erasmus+ einfacher und
stärker zu nutzen.
7. Wir verankern eine neue Lernkultur als Lernen fürs Leben.
Wir wollen eine Schule, die Schülerinnen und Schüler stark für ihre Zukunft
macht. Gesicherte Basiskompetenzen in Deutsch und Mathematik, ein möglichst
fundiertes Wissen in allen relevanten Bereichen und die Bereitschaft zu lernen,
bleiben die Grundlage. Darüber hinaus muss Schule aber auch verstärkt
Kompetenzen wie Problemlösungs- und Kommunikationsfähigkeit, kritisches Denken,
Teamfähigkeit und Selbstverantwortung vermitteln. Dafür fördern wir Unterricht,
der an realen gesellschaftlichen, ökologischen und technologischen
Fragestellungen und Herausforderungen ansetzt. Projekte, Präsentationen und
Teamleistungen sollen in allen Schulformen selbstverständlich zum Lernen und zur
Leistungsbewertung gehören. Zugleich sind für uns soziales Lernen, die Übernahme
von Verantwortung und der Aufbau von Resilienz fester Bestandteil des
Schulalltages.
Wir stärken Schulen in der Entwicklung eigener Schulprofile und geben ihnen
größtmögliche Autonomie.
8. Wir fördern den souveränen Umgang mit digitalen Medien.
Digitale Medien und Künstliche Intelligenz gehören zur Lebenswirklichkeit junger
Menschen. Wir vermitteln Medien-, Daten- und KI-Kompetenz als zentrale
Zukunftskompetenzen. Dafür schaffen wir eine sichere digitale Infrastruktur,
stärken datenschutzkonforme und offene Softwarelösungen, stellen IT-Fachpersonal
für Schulen bereit und investieren in die Fortbildung aller Lehrkräfte. Wir
verhindern, dass die Digitalisierung den Erwerb grundlegender Kompetenzen, vor
allem in der Grundschule und der Sekundarstufe I, behindert.
9. Wir geben Lehrkräften wieder Zeit für Bildung.
Gute Bildung braucht gute Arbeitsbedingungen. Wir fordern mehr Systemzeit,
kleinere Klassen, angemessene Besoldung und mehr Autonomie für Schulen. Wir
entwickeln die Lehrkräftebildung gemeinsam mit Hochschulen und Schulen weiter
und verzahnen wissenschaftliche Ausbildung, schulische Praxis und Fortbildung
stärker miteinander. Dadurch werden attraktive Rahmenbedingungen hergestellt,
damit mehr Menschen den Lehrerberuf ergreifen und dauerhaft ausüben.
10. Wir sorgen für eine anregende und gesunde Lernumgebung.
Wir unterstützen die Schulträger dabei, Bildungsgebäude und Schulhöfe
barrierefrei, klimaresilient und gesund zu gestalten. Gleichzeitig brauchen
Schulen zeitgemäße Lehr- und Lernmittel sowie flexible Raumkonzepte, die
individuelles und kooperatives Lernen ermöglichen. Den Klassenteiler senken wir
auf maximal 20 Schüler:innen in Grundschulen und 21 in den Eingangsklassen der
Gemeinschaftsschulen. In höheren Klassen der Gemeinschaftsschulen soll 25 der
Klassenteiler sein.
11. Wir stärken echte Inklusion und gemeinsames Lernen.
Wir wollen die inklusive Bildung an unseren Regelschulen konsequent ausbauen und
so ausstatten, dass alle Schüler:innen dort die Unterstützung erhalten, die sie
für erfolgreiches Lernen brauchen. Dafür sorgen wir für ausreichend
Fachpersonal, multiprofessionelle Teams, barrierefreie Lernräume, geeignete
Hilfsmittel und verlässliche Poollösungen bei der Eingliederungshilfe. Wir
flexibilisieren die Klassengröße in Abhängigkeit von der Zahl der Kinder mit
evaluiertem Förderbedarf. Unser Ziel ist, die inklusiven Strukturen so weit zu
stärken, dass der Förderschwerpunkt Lernen an Förderschulen langfristig nicht
mehr erforderlich sein wird. Die dadurch freiwerdenden personellen und
finanziellen Ressourcen verbleiben vollständig im Bildungssystem und werden
gezielt dafür eingesetzt, die inklusive Förderung an den Regelschulen weiter zu
verbessern.
12. Wir stärken die berufliche Bildung.
Wir modernisieren berufliche Schulen, investieren in ihre Ausstattung und
fördern insbesondere Berufe, die für Digitalisierung, Klimaschutz und die
sozial-ökologische Transformation unverzichtbar sind. Bildungswege müssen
offenbleiben. Der Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf ist eine zentrale
Weichenstellung für alle jungen Menschen. Wir verbessern die Anerkennung bereits
erworbener Kompetenzen und erleichtern Übergänge zwischen beruflicher und
akademischer Bildung.
13. Wir entwickeln unsere Hochschulen zu Zukunftsorten.
Wir verbessern den Übergang zwischen Schule, beruflicher Bildung und Hochschule,
bauen Vorkurse und Studienorientierung aus und schaffen bessere Bedingungen
dafür, dass Studierende unabhängig von Herkunft und Geldbeutel ihr Studium
erfolgreich absolvieren können. Dafür entlasten wir Studierende finanziell,
stärken die Studierendenwerke und schaffen mehr bezahlbaren Wohnraum und
attraktive Campusstandorte in Saarbrücken und Homburg. Gleichzeitig fördern wir
die Zusammenarbeit der saarländischen Hochschulen und ihre Vernetzung mit
Schulen, Zivilgesellschaft, Kultur, Kommunen und Wirtschaft. So stärken wir gute
Lehre, gesellschaftlichen Austausch, Innovation und die Attraktivität des
Saarlands für Studierende aus dem In- und Ausland.
14. Wir erweitern lebenslanges Lernen.
Bildung endet nicht mit dem Abschluss. Wir stärken Volkshochschulen,
Weiterbildung und außerschulische Bildungsangebote. Jeder Mensch soll die
Möglichkeit haben, sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln – unabhängig
vom Alter oder der eigenen Lebenssituation. Auch Hochschulen öffnen wir stärker
für lebenslanges Lernen und wissenschaftliche Weiterbildung und fördern
flexible, berufsbegleitende und weiterbildende Studienangebote.