| Veranstaltung: | Landesparteitag 07.11.2026 in Lebach |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 4. Beratung und Beschlussfassung des Wahlprogramms |
| Antragsteller*in: | Landesvorstand (dort beschlossen am: 30.09.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 08.10.2026, 08:17 |
WP 1 : Wahlprogrammkapitel: Klima, Energie & Umwelt
Antragstext
Was wir sehen
Die Klimakrise erzeugt Verunsicherung. Wir sehen viele Saarländer:innen in
Sorge, wie sie sich zukünftig Wohnen, Heizen und Mobilität noch leisten können.
Doch anstatt gemeinsam anzupacken, erleben wir, wie die Energiewende
systematisch ausgebremst und teilweise sogar zurückgedreht wird. Die immer noch
bestehenden Abhängigkeiten von importierten fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl
und Gas stellen ein unkalkulierbares Kosten- und Versorgungsrisiko dar. Dass die
Energiepreise heute nicht überall explodieren, verdanken wir einzig dem bereits
erreichten Ausbau der Erneuerbaren Energien. Wenn Erneuerbare Energien ausgebaut
werden, spüren die Menschen vor Ort zwar die Veränderungen, profitieren aber
finanziell zu selten davon. Die Wende ist bereits im Gange, aber sie muss
schneller, intelligenter und sozial gerechter werden.
Das Saarland steht beim Umwelt- und Klimaschutz vor großen Aufgaben. Um unsere
natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren, müssen wir unsere Energieversorgung
fossilfrei, sozial, sicher und zukunftsfest umbauen. Ein stabiles Klima ist
Voraussetzung für eine intakte Natur und für den Erhalt unserer Gesundheit und
Lebensqualität. Und eine verlässliche, bezahlbare Energieversorgung ist
Voraussetzung für sozialen Zusammenhalt, wirtschaftliche Stärke und kommunale
Handlungsfähigkeit. Zugleich bleibt das grenznahe Atomkraftwerk Cattenom ein
Sicherheitsrisiko für das Saarland und zeigt, dass eine zukunftsfeste
Energieversorgung auch eine Frage der Sicherheit ist.
Doch noch ist das Saarland davon zu weit entfernt. Der Ausbau der Erneuerbaren
geht zu langsam voran, die Wärmewende stockt vielerorts, und gerade kleine
Kommunen werden mit zentralen Zukunftsaufgaben oft allein gelassen. Gleichzeitig
nehmen die Folgen der Klimakrise auch bei uns zu, ob Starkregen, Hochwasser,
Hitzeperioden, Trockenstress in Wäldern und Landschaft oder ein fortschreitender
Verlust von Arten und Lebensräumen. Das Artensterben bedroht die Stabilität
unserer Ökosysteme und damit eine wesentliche Grundlage unseres Lebens und
Wirtschaftens. Zugleich wächst der Druck auf Böden, Wasserhaushalt und
landwirtschaftliche Flächen.
Das Saarland ist ein teilweise dicht besiedeltes Flächenland mit hoher
Straßendichte, großem Nutzungsdruck und industrieller Prägung. Gerade deshalb
brauchen wir eine Politik, die Flächen sparsam nutzt und brachliegende
Potenziale aktiviert. Zielkonflikte müssen ehrlich und mit den Bürgerinnen und
Bürgern ausgearbeitet werden. Wer Umwelt, Energie, Wohnen, Landwirtschaft und
Wirtschaft gegeneinander ausspielt, wird den Herausforderungen nicht gerecht.
Auch beim Tierschutz besteht Handlungsbedarf. Tierheime und
Wildtierauffangstationen stoßen zunehmend an ihre Grenzen, während eine
artgerechte Haltung von Haus- und Nutztieren und der Schutz von Wildtieren
weiterhin gestärkt werden müssen.
Unsere Landwirtschaft steht zugleich unter erheblichem wirtschaftlichem und
ökologischem Druck. Kleine und familiengeführte Betriebe kämpfen um ihre
Zukunft, während Klimakrise, Flächenkonkurrenz und fehlende regionale
Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen die Bedingungen zusätzlich erschweren.
Was wir wollen
Wir wollen ein Saarland, das die Umwelt schützt und Tiere als fühlende Wesen
respektiert. Wir begreifen die Natur als Verbündete im Kampf gegen die
Klimakrise. Klimaschutz ist für uns Menschen- und Gesundheitsschutz. Natürlicher
Klimaschutz, gesunde Wälder, intakte Moore, saubere Gewässer, artenreiche
Landschaften und klimaresiliente Städte und Gemeinden sind keine Nebensache,
sondern Grundlage für gutes Leben – heute und für kommende Generationen. Wir
wollen das Artensterben stoppen, die biologische Vielfalt bewahren und
Lebensräume schützen, wiederherstellen und miteinander vernetzen.
Unser Ziel ist es, das Saarland bis 2045 zu 100 % klimaneutral zu machen. Wir
wählen den Weg der echten Unabhängigkeit, der die Energieversorgung durch Sonne,
Wind, Bioenergie, intelligente Netze und Speicher für alle verlässlich und
bezahlbar macht.
Unsere Abhängigkeit von Öl und Gas befeuert die Klimakrise und macht uns
erpressbar durch autokratische Regime. Deshalb machen wir den sozial gerechten
Ausbau der Erneuerbaren zu unserem zentralen Sicherheits- und Friedensprojekt.
Entscheidende Weichen für die Energiewende werden auf Bundesebene gestellt.
Dennoch sind das Saarland und seine Kommunen in der Verantwortung, den Beitrag
zu leisten, den sie erbringen können.
Wir wollen die Energiewende im Saarland schneller, intelligenter, gerechter und
für alle tragfähig machen. Dazu gehören eine zielgerichtete Wärmeplanung, mehr
Energieeinsparung, ein beschleunigter Ausbau von Wind- und Solarenergie auf
Dächern und versiegelten Flächen, intelligente Netze, netzdienlich gesteuerte
Strom- und Wärmespeicher, mehr Ab- und Umweltwärmenutzung und eine neue,
realistische Wasserstoffstrategie.
Wir wollen außerdem unsere Flächenpolitik neu ordnen und fordern grün statt
grau, Umbau statt Zersiedelung, Mehrfachnutzung statt weiterem Verbrauch
wertvoller Böden. Das heißt: Brachflächen sanieren und nutzen, Gebäude erhalten
und energetisch ertüchtigen, Leerstand aktivieren, Potenziale zur
Wasserspeicherung (z. B. Schwammstädte) fördern, natürliche
Überschwemmungsflächen (Retentionsflächen) schützen und Naturräume stärker
vernetzen. Landwirtschaftliche Flächen wollen wir dabei vorrangig für regionale
Lebensmittelproduktion sichern und die regionale Versorgung mit Lebensmitteln
stärken.
Wir wollen den Tierschutz im Saarland konsequent stärken und gute Bedingungen
für Haus-, Nutz- und Wildtiere schaffen. Unser Ziel ist eine Tierhaltung, die
sich an den Bedürfnissen der Tiere orientiert und Tierleid vermeidet.
Wir wollen eine zukunftsfähige Landwirtschaft, die gute Lebensmittel erzeugt,
bäuerlichen Betrieben eine wirtschaftliche Perspektive bietet und zugleich
Natur, Klima und Tiere schützt. Dafür wollen wir regionale Wertschöpfung und
Vermarktung stärken, landwirtschaftliche Flächen sichern und Umweltleistungen
angemessen honorieren.
Was wir tun
1. Wir schaffen eine soziale Energiewende, die bei den
Menschen ankommt.
Klimaschutz funktioniert nur, wenn er bezahlbar und machbar ist. Deshalb wollen
wir niedrigschwellige Energieberatungsangebote in den Kommunen ausbauen,
aufsuchende Beratung für Haushalte mit niedrigem Einkommen stärken und
zusätzliche Hilfen für Maßnahmen auflegen, die den Energieverbrauch dauerhaft
senken. Für energetische Sanierungen im Gebäudebestand wollen wir Förderungen
bündeln und vereinfachen. Die Fördermaßnahmen sollen auf Gebäude der
schlechtesten Energieeffizienzklassen F, G und H (64 % des saarländischen
Gebäudebestandes) ausgerichtet werden, um begrenzte finanzielle Mittel möglichst
wirkungsvoll einzusetzen. Für Eigentümer:innen mit geringem Einkommen sowie
bedürftige Senior:innen entwickeln wir Modelle, die energetische
Sanierungsmaßnahmen ermöglichen. Die Erstberatung soll möglichst unbürokratisch,
kostenlos und ortsnah zugänglich sein.
2. Wir setzen beim Ausbau der Erneuerbaren auf Dächer,
versiegelte Flächen und kluge Doppelnutzung.
Wir setzen uns ein für den Ausbau von Photovoltaik (PV) auf Dächern, an
Fassaden, an Lärmschutzwänden, auf Industriebauten und anderen bereits
versiegelten Flächen. Wir wägen dabei sorgfältig ab zwischen
Begrünungsmöglichkeiten und/oder der Nutzung von PV. Auch Bergehalden,
Konversionsflächen und bereits infrastrukturell geprägte Flächen entlang von
Verkehrswegen oder Industrieanlagen wollen wir konsequent für Solar- und
Windenergie erschließen. Diese sollten durch passende Speichermöglichkeiten
ergänzt werden. Agri-Photovoltaik kann dort sinnvoll sein, wo sie echte
Doppelnutzung ermöglicht und landwirtschaftliche Nutzung erhält. Aus Gründen der
Netzdienlichkeit ist besonderes Augenmerk auf Fassaden-PV und bifaziale PV-
Systeme zu legen. Um den großen Rückstand zu anderen Flächenländern zu
verringern, müssen bestehende Restriktionen abgebaut werden. Die Erzeugung
regionaler Lebensmittel und der Schutz hochwertiger Böden haben dabei Vorrang
vor reiner Flächenverwertung. Windkraft im Wirtschaftswald darf nicht pauschal
ausgeschlossen werden, gleichzeitig bleiben sensible Schutzgebiete tabu.
3. Wir machen Klimaschutz und Klimaanpassung zur kommunalen
Aufgabe der Daseinsvorsorge.
Städte und Gemeinden tragen einen großen Teil der Verantwortung für eine gute
Zukunft vor Ort. Deshalb wollen wir Klimaschutz und Klimaanpassung als kommunale
Pflichtaufgabe verankern und das Land in die Pflicht nehmen, Kommunen fachlich
und finanziell zu unterstützen. Das Klimaschutzkonzept des Landes muss
konsequent umgesetzt, mit verbindlichen Zwischenzielen unterlegt und alle zwei
Jahre überprüft werden. Dazu gehören Hitzeaktionspläne, vorbeugender
Hochwasserschutz, Schutz und Wiederherstellung von Retentionsflächen, mehr
Entsiegelung, mehr Stadtgrün und verbindliche Unterstützung für
Schwammstadtkonzepte.
4. Wir bringen die Wärmewende in alle Kommunen – auch in
kleine Gemeinden.
Die Kommunale Wärmeplanung im Saarland soll stärker an der Einwohnerdichte
ausgerichtet werden. Das Land soll für die Umsetzung Beratung, Standards,
Förderung und ein verlässliches Monitoring bereitstellen. Bei der Überprüfung
der Wärmepläne müssen Abwärmenutzung, Geothermie, insbesondere aus aufgelassenen
Bergwerksschächten entlang der Fernwärmeschiene Saar, die Nutzung von
Energieüberschüssen aus Kläranlagen und Abwassernetzen sowie die Prüfung von
Niedertemperaturnetzen stärker berücksichtigt werden. Den Ausbau biogener
Energieträger wollen wir mit Augenmaß gestalten.
5. Wir stärken Stadt- und Gemeindewerke und machen die Netze
intelligent.
Wir wollen Stadt- und Gemeindewerke beim Ausbau ihrer digitalen und technischen
Kapazitäten unterstützen, damit Verteilnetze intelligenter gesteuert und
Netzengpässe verringert werden können. Dazu gehört ein gezieltes Förderprogramm
für IT- und Netzsteuerung sowie eine Qualifizierungsoffensive für das Personal
kommunaler Energieversorger.
Wir schaffen Hindernisse ab, um den Stromverbrauch konsequent zu
flexibilisieren. Durch smarte Netze, variable Tarife und die Einbindung von E-
Auto-Batterien als Zwischenspeicher, nutzen wir PV-Überschüsse tagsüber in Stadt
und Land optimal aus. Ein zusätzlich forcierter Ausbau von Großspeichern soll
dabei vorrangig an der Netzdienlichkeit orientiert und danach priorisiert
werden. So bleibt das Saarland Energieregion.
Wir wollen außerdem eine saarländische Klima- und Energieagentur aufbauen, die
Kommunen, Stadtwerke, Unternehmen und Bürger:innen bei Planung, Umsetzung und
Förderung berät.
6. Wir ermöglichen mehr Bürgerenergie, Mieterstrom und
Energieversorgung in der Nachbarschaft.
Die Energiewende gestalten wir gemeinsam mit den Kommunen, den Bürger:innen und
den Unternehmen vor Ort als Gemeinschaftsprojekt. Deshalb wollen wir die Arbeit
der Bürgerenergiegenossenschaften, Mieterstrommodelle, Nachbarschaftsnetze und
gemeinschaftliche Energieversorgung deutlich erleichtern. Kommunale
Einrichtungen sollen dabei einbezogen werden können. Das Land soll Stadt- und
Gemeindewerke sowie andere geeignete Anbieter dabei unterstützen, die nötigen
Dienstleistungen und Modelle bereitzustellen. So bleibt Wertschöpfung im Land,
und mehr Menschen profitieren direkt von günstiger, sauberer Energie.
7. Wir ordnen Speicher, Wasserstoff und industrielle
Transformation neu.
Beim Ausbau von Strom- und Wasserstoffnetzen setzen wir auf Dezentralität,
Resilienz und bedarfsgerechte Planung.
Wir etablieren grünen Wasserstoff aus Elektrolyse als Fundament für unsere
Industrieprozesse und als saisonalen Großspeicher. Dazu wollen wir
sicherstellen, dass bei der Errichtung von Großelektrolyseanlagen auch die
potenzielle Nutzung der Abwärme berücksichtigt wird. Darüber hinaus treiben wir
die Umrüstung geeigneter Kohlekraftwerke zu wasserstofffähigen Gaskraftwerken
für Reserveleistung statt eines Neubaus von Gaskraftwerken voran.
Wir wollen deshalb einen saarländischen Masterplan Energie, der Standorte und
Einsatz von Speicherinfrastruktur, Elektrolyseuren und anderer Infrastruktur an
Netzstabilität, Abwärmenutzung und regionalem Bedarf ausrichtet. Dabei setzen
wir ausdrücklich auch auf dezentrale und kleinere Erzeugungs- und
Speicherlösungen, die schneller umgesetzt werden können und die kommunale
Energiewende stärken. Die Wasserstoffstrategie des Landes muss neu justiert
werden: realistischer, wirtschaftlich tragfähig und mit klarem Fokus auf die
Bereiche, in denen Wasserstoff tatsächlich gebraucht wird. Wasserstoff ist vor
allem dort sinnvoll, wo direkte Elektrifizierung nicht ausreicht, insbesondere
in Teilen der Industrie und als Reserveleistung – nicht als Standardlösung im
Verkehr oder beim Heizen. Kleine, gezielte Projekte wollen wir ermöglichen und
Hemmnisse auf Bundes- und EU-Ebene abbauen helfen. Insbesondere müssen wir den
Bau kleiner, bedarfsgerechter Elektrolyseure durch saarländische Hersteller
fördern.
Geeignete bestehende Kraftwerksstandorte sollen perspektivisch als
wasserstofffähige Reservekraftwerke genutzt werden können, soweit dies für die
Versorgungssicherheit erforderlich und wirtschaftlich sinnvoll ist.
8. Keine Rückkehr zum Irrweg Atomkraft.
Atomstrom löst keines unserer Energieprobleme. Wir fordern die konsequente und
schnelle Abschaltung des veralteten französischen Atomkraftwerks Cattenom in
unserer Grenzregion. Ebenso treten wir allen rückwärtsgewandten Forderungen nach
neuen Atomkraftwerken in Deutschland – insbesondere den teuren und riskanten
Small Modular Reactors (SMRs) – entschieden entgegen. Einen Neubau von
Atomkraftwerken lehnen wir generell konsequent ab.
9. Wir schützen Wald, Wasser, Moore und Landschaft als
natürliche Verbündete im Klimaschutz und fördern die
Biodiversität.
Unser Wald muss als Lebensraum, Erholungsraum,Wirtschaftswald und Schutzraum
gegen Hitze, Erosion und Hochwasser zukunftssicher gestaltet werden.
Jagd,Hochwasserschutz, Umweltbildung und Erholung müssen dabei in ein
neuesGleichgewicht gebracht werden. Wir wollen Feuchtgebiete schützen und
Moorewiedervernässen, Renaturierungen stärken, den
Landschaftswasserhaushaltverbessern und Biotope besser vernetzen. Natürlicher
Klimaschutz ist für unskonkrete Vorsorge für Mensch und Natur. Die
Bewirtschaftung von landeseigenen Flächen soll den Erhalt der Biodiversität,
Klimaschutz und Klimaanpassung in den Mittelpunkt stellen.
10. Wir stoppen den Flächenfraß und setzen auf Umbau statt
Verbrauch.
Die Fläche im Saarland ist knapp und nicht vermehrbar. Deshalb wollen wir den
Flächenverbrauch weiter senken, Brachflächen sanieren und nutzbar machen,
Leerstand reaktivieren und Bestandsgebäude erhalten, statt vorschnell neu zu
bauen. Der Erhalt der in Bauwerken gebundenen Energie, sogenannte grauen
Energie, hat einen hohen ökologischen Wert. Darum fördern wir energetische
Altbausanierung, den Umbau bestehender Gebäude und die effizientere Nutzung
bereits erschlossener Flächen. Wo Wohnraum dem Markt entzogen wird, wollen wir
Kommunen mit einem saarländischen Wohnraumschutz- und Zweckentfremdungsgesetz
handlungsfähiger machen.
11. Wir stärken den Tierschutz.
Tiere sind fühlende Lebewesen und Mitgeschöpfe. Wir wollen den Tierschutz im
Saarland stärken und Tierheime sowie Wildtierauffangstationen verlässlich und
auskömmlich finanzieren. Um Tierheime langfristig zu entlasten und
verantwortungsvolle Tierhaltung zu stärken, wollen wir bei der Registrierung und
Kastration von Hunden und Katzen schneller vorangehen und lange Übergangsfristen
vermeiden. In der Landwirtschaft setzen wir auf artgerechte Tierhaltung mit
ausreichend Auslauf, Weidehaltung und eine Weideprämie. Kurze Transportwege
wollen wir stärken, um Tierleid zu vermeiden. Ställe müssen besser vor Hitze und
Bränden geschützt werden. Beim Wolf setzen wir auf Koexistenz und wirksamen
Herdenschutz und unterstützen Nutztierhalter:innen bei vorbeugenden
Schutzmaßnahmen.
Wir wollen außerdem Alternativen zu Tierversuchen konsequent fördern und
Qualzuchten zurückdrängen. Das Bewusstsein für eine klima-, umwelt- und
tierfreundliche Ernährung wollen wir stärken und die Themen Ernährung,
Tierhaltung und Tierschutz stärker in Bildung und Alltag verankern.
12. Wir stärken den Natur- und Artenschutz.
Naturschutz beginnt nicht erst im Schutzgebiet. Wir wollen Lichtverschmutzung
reduzieren, Gebäudebrüter besser schützen, den Biotopverbund ausbauen,
Stadtnatur stärken, Lebensräume von Tieren besser vernetzen und die
Landwirtschaft ökologisieren. Unser Ziel ist der Erhalt der biologischen
Vielfalt – für Menschen, Tiere und kommende Generationen.
13. Wir stärken den Umweltschutz.
Gesunde Luft, intakte Böden und sauberes Wasser sind Grundlagen guten Lebens.
Pestizide und schädliche Stoffeinträge in Umwelt und Landschaft wollen wir
verringern. Auch Fragen des Stickstoffeintrags und der Belastung von Böden,
Wasser und Artenvielfalt müssen im Saarland konsequenter angegangen werden.
14. Wir verbinden Landwirtschaft, Natur- und Klimaschutz,
statt sie gegeneinander auszuspielen.
Landwirtschaft ist Teil der Lösung, wenn die politischen Rahmenbedingungen
stimmen. Wir wollen regionale Wertschöpfung stärken, Umweltleistungen gezielt
honorieren und Konflikte um Fläche durch klare Prioritäten und intelligente
Doppelnutzung entschärfen. Dazu gehören der Schutz guter Böden, klima- und
artenangepasste Bewirtschaftung, Unterstützung für Weidewirtschaft,
Grünlandschutz, kleine Biogasanlagen auf Reststoffbasis sowie eine sorgfältige
Abwägung bei Agri-PV. Wir wollen regionale Vermarktungs- und
Verarbeitungsstrukturen stärken und mehr saarländische und ökologische Produkte
in Kantinen, Schulen und öffentlichen Einrichtungen einsetzen. Leistungen für
Klima-, Arten- und Tierschutz – etwa Humusaufbau, Agroforstsysteme oder
Weidehaltung – sollen gezielt gefördert werden. Wir wollen Junglandwirt:innen,
Hofnachfolgen und regionale Existenzgründungen gezielter unterstützen, damit
bäuerliche Strukturen im Saarland erhalten bleiben. Natur-, Klima- und
Landwirtschaftspolitik müssen im Saarland endlich besser verzahnt werden.
15. Wir nutzen Abfälle als Rohstoffe.
Wir begreifen Abfälle als wertvolle Rohstoffe und richten unsere Wirtschaft
konsequent auf geschlossene Stoffkreisläufe aus. Unser Ziel ist eine echte
Kreislaufwirtschaft, in der Materialien so lange wie möglich genutzt,
wiederverwendet und hochwertig recycelt werden.
Wir setzen uns dafür ein, dass langlebige, reparierbare und recyclingfähige
Konstruktionen beim Design von Produkten zum Standard werden. Hersteller sollen
stärker in die Verantwortung genommen werden, ressourcenschonende
Produktionsweisen umzusetzen und Abfälle von vornherein zu vermeiden.
Zirkuläres Wirtschaften bringen wir voran durch klare gesetzliche
Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Anreize und die Förderung innovativer
Geschäftsmodelle – von Mehrwegsystemen über Sharing-Konzepte bis hin zu „urban
mining“. Öffentliche Beschaffung soll gezielt kreislauffähige Produkte und
recycelte Materialien bevorzugen und damit als Vorbild wirken.
Ein besonderes Potenzial sehen wir in der Nutzung von Pflanzenkohle: Sie
verbindet Klimaschutz mit Ressourceneffizienz, indem biogene Reststoffe sinnvoll
verwertet, Kohlenstoff langfristig gebunden und gleichzeitig Böden verbessert
werden. Wir wollen die Erforschung, Anwendung und Markteinführung von
Pflanzenkohle gezielt stärken.
So schaffen wir eine nachhaltige, resiliente Wirtschaft, die Ressourcen schont,
das Klima schützt und regionale Wertschöpfung stärkt.