| Veranstaltung: | Landesparteitag 07.11.2026 in Lebach |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 4. Beratung und Beschlussfassung des Wahlprogramms |
| Antragsteller*in: | Landesvorstand (dort beschlossen am: 30.09.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 08.10.2026, 08:23 |
WP 3: Wahlprogrammkapitel: Mobilität
Antragstext
Was wir sehen
Das Saarland ist ein Land der kurzen Wege, der engen Verbindungen und der
starken Nachbarschaften. Menschen sind jeden Tag unterwegs, ob zur Arbeit, zur
Schule, zum Sport, zum Einkaufen oder zu Familie und Freund:innen. Mobilität
verbindet diese Orte und ermöglicht Freiheit, Teilhabe und Lebensqualität.
Gleichzeitig sind die Möglichkeiten, im Saarland mobil zu sein, heute noch sehr
unterschiedlich.
In unseren Städten und Gemeinden nimmt der Autoverkehr einen großen Teil des
öffentlichen Raums ein. Gleichzeitig gibt es beim Fuß- und Radverkehr noch
Lücken. Radwege sind nicht überall durchgängig. Sichere Verbindungen zwischen
Wohnorten, Schulen, Arbeitsplätzen und Ortszentren fehlen häufig. Gerade das E-
Bike eröffnet neue Möglichkeiten, da sich damit auch längere Strecken und
Steigungen im Alltag leichter bewältigen lassen. Dafür braucht es sichere und
zusammenhängende Radwege sowie gute und wettergeschützte Abstellmöglichkeiten.
Auch beim Fußverkehr gibt es vielerorts noch Potenzial für sichere, gut
beleuchtete und barrierefreie Wege.
Im ländlichen Raum ist die Verbindung zu Städten und zentralen Orten besonders
wichtig. Busse und Bahnen fahren dort nicht überall so häufig und zu den Zeiten,
wie Menschen sie im Alltag brauchen. Das gilt besonders am Abend und am
Wochenende. Auch Anschlüsse zwischen verschiedenen Linien und Verkehrsmitteln
sind nicht immer gut aufeinander abgestimmt. Ausfälle und fehlende Informationen
können das Vertrauen in den öffentlichen Verkehr zusätzlich erschweren. Für
Menschen ohne eigenes Auto bedeutet das weniger Möglichkeiten, selbstbestimmt
unterwegs zu sein.
Auch bei der überregionalen Erreichbarkeit gibt es Herausforderungen. Das
Saarland ist auf gute Verbindungen zu den großen Städten und Verkehrsknoten in
Deutschland und Europa angewiesen. Gleichzeitig zeigen größere Baumaßnahmen auf
wichtigen Bahnstrecken, wie wichtig leistungsfähige und verlässliche
Alternativen sind. Gute Verkehrsverbindungen sind nicht nur für Reisende
wichtig. Sie sind auch ein Standortfaktor für Unternehmen, Beschäftigte,
Studierende und Fachkräfte und stärken die Verbindung des Saarlandes mit der
Großregion.
Unser öffentlicher Verkehr ist zudem von vielen unterschiedlichen Akteur:innen
geprägt. Verkehrsunternehmen, Aufgabenträger und Kommunen übernehmen jeweils
wichtige Aufgaben. Diese Strukturen machen eine gute Abstimmung anspruchsvoll.
Gleichzeitig stellt der Fachkräftemangel, insbesondere bei Fahrer:innen, den
öffentlichen Verkehr vor zusätzliche Herausforderungen. Ein zuverlässiges
Angebot braucht deshalb auch ausreichend viele Menschen, die es planen,
organisieren und täglich erbringen.
Mobilität wird bislang häufig noch von der althergebrachten Art als Weg zwischen
Wohnort und Arbeitsplatz oder Ausbildungsort gedacht. Der Alltag vieler Menschen
ist inzwischen vielfältiger. Kinder werden zur Schule oder zum Sport gebracht,
Einkäufe mit Arztbesuchen verbunden, Angehörige unterstützt oder mehrere Termine
an einem Tag miteinander verknüpft. Insbesondere Frauen übernehmen noch immer
einen großen Teil der unbezahlten Sorge- und Familienarbeit. Diese Wege
unterscheiden sich deshalb von den klassischen Pendelwegen.
Diese unterschiedlichen Lebensrealitäten zeigen: Gute Mobilität bedeutet mehr,
als möglichst schnell von A nach B zu kommen. Sie muss zum Alltag der Menschen
passen. Sie muss in der Stadt und auf dem Land funktionieren, verschiedene
Verkehrsmittel miteinander verbinden und Sicherheit, Barrierefreiheit,
Bezahlbarkeit und Verlässlichkeit zusammendenken.
Was wir wollen
Wir wollen ein Saarland, in dem Mobilität den Menschen dient. Ein Saarland, in
dem alle sicher, selbstbestimmt und unkompliziert unterwegs sein können.
Mobilität soll Freiheit schaffen, den Alltag erleichtern und gesellschaftliche
Teilhabe ermöglichen.
Dafür müssen wir Mobilität stärker am tatsächlichen Alltag der Menschen
ausrichten. Menschen bewegen sich auf ganz unterschiedliche Weise durch ihren
Tag. Kinder gehen zur Schule, Eltern bringen sie zur Kita, Menschen kaufen ein,
begleiten Angehörige, gehen zur Arztpraxis oder treffen Freund:innen. Viele Wege
beginnen nicht am Arbeitsplatz und enden auch nicht dort. Sie verbinden die
vielen Aufgaben und Begegnungen, die unser Leben ausmachen.
Diese Perspektive ist besonders wichtig, weil Frauen heute noch einen großen
Teil der unbezahlten Sorge- und Familienarbeit übernehmen. Dadurch unterscheiden
sich ihre Wege und ihre Anforderungen an Mobilität häufig von denen vieler
Männer. Eine Verkehrsplanung, die nur den klassischen Weg zur Arbeit betrachtet,
bildet diese Realität nicht vollständig ab.
Eine feministische Mobilitätswende ist zugleich eine ökologische und soziale
Mobilitätswende. Wenn Bus und Bahn zuverlässig fahren, sichere Fuß- und Radwege
vorhanden sind und Mobilitätsangebote barrierefrei gestaltet werden, profitieren
viele Menschen. Gleichzeitig schützen wir Klima und Umwelt und verbessern die
Lebensqualität.
Mobilität entscheidet darüber, ob Menschen selbstbestimmt leben und am
gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Deshalb gehört Mobilität für uns zur
öffentlichen Daseinsvorsorge. Familien, Alleinerziehende, ältere Menschen,
Menschen mit Behinderung und alle anderen sollen ihre Wege sicher und
selbstbestimmt zurücklegen können.
Alle Menschen müssen sich sicher, bezahlbar und unabhängig von einem eigenen
Auto fortbewegen können. Das gilt in Saarbrücken genauso wie in kleinen
Gemeinden und Ortsteilen.
Wir wollen eine Zukunft, in der klimafreundliche Mobilität die einfache und
naheliegende Wahl ist. Bus und Bahn sollen zuverlässig sein. Sichere Fuß- und
Radwege sollen Orte miteinander verbinden. Unterschiedliche Verkehrsmittel
sollen gut zusammenspielen und den Menschen echte Wahlfreiheit geben.
Gute Mobilität beginnt mit sicheren Wegen zu Fuß und mit dem Fahrrad und reicht
von einem attraktiven öffentlichen Nahverkehr bis zu flexiblen Angeboten für
besondere Bedürfnisse. Dafür stärken wir den Umweltverbund aus Fußverkehr,
Radverkehr sowie Bus und Bahn.
Neue Mobilitätsangebote wie Rufbusse, Carsharing und weitere flexible Dienste
ergänzen sinnvoll, so dass niemand ein eigenes Auto besitzen muss, um im Alltag
mobil zu sein.
Mobilität muss für alle zugänglich sein. Barrierefreiheit, Bezahlbarkeit und
gute Verbindungen gehören deshalb zusammen. Städte und Gemeinden brauchen dafür
eine verlässliche finanzielle Grundlage, damit sie gute Mobilitätsangebote
schaffen und dauerhaft sichern können.
Das Saarland liegt im Herzen Europas. Diese Lage ist eine große Stärke unseres
Landes. Menschen pendeln über Grenzen hinweg, besuchen Freund:innen und Familie,
arbeiten in anderen Regionen oder nutzen Bildungs- und Kulturangebote.
Wir wollen diese Chancen nutzen und das Saarland noch besser mit seinen
Nachbarregionen verbinden.
Starke Verbindungen innerhalb des Saarlandes und in die Großregion schaffen neue
Möglichkeiten für Arbeit, Bildung, Kultur und wirtschaftliche Entwicklung. Unser
Ziel ist ein Saarland, das seine Lage mitten in Europa als Stärke nutzt und
Menschen miteinander verbindet.
Was wir tun
1. Wir richten die Verkehrsplanung am Alltag der Menschen
aus.
Wir schaffen sichere und durchgängige Wege zu Schulen, Kitas, Ortszentren,
Einkaufsmöglichkeiten und wichtigen Einrichtungen, ob zu Fuß oder mit dem
Fahrrad. Bei neuen Wohngebieten planen wir von Anfang an gute Verbindungen zum
ÖPNV und sichere Wege für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen mit.
2. Wir machen Mobilität sicher und barrierefrei – Vision
Zero.
Alle Menschen sollen sicher unterwegs sein können. Wir überprüfen Schulwege und
gefährliche Kreuzungen systematisch und bauen sie so um, dass Kinder, ältere
Menschen und Menschen mit Behinderungen sicher unterwegs sein können. Wir machen
Bushaltestellen, Bahnhöfe und wichtige Wege Schritt für Schritt barrierefrei,
gut beleuchtet und sicher erreichbar. Unser Ziel ist Vision Zero: Niemand soll
im Straßenverkehr getötet oder schwer verletzt werden.
3. Wir stärken den Umweltverbund.
Bus, Bahn, Saarbahn, Fahrrad und Fußverkehr sollen sich ergänzen. Der Wechsel
zwischen den Verkehrsmitteln muss einfach werden.
Wir verknüpfen Bus, Bahn, Saarbahn, Fahrrad und weitere Mobilitätsangebote an
wichtigen Umsteigepunkten besser miteinander.
Wir stimmen Fahrpläne so aufeinander ab, dass das Umsteigen nicht an langen
Wartezeiten scheitert. Das Saarland hat mit PlusBus und ExpressBus bereits
Angebote für direkte und schnelle Verbindungen zwischen zentralen Orten. Diese
wollen wir weiter ausbauen und besser mit Bahn und Saarbahn verknüpfen.
4. Wir beteiligen die Menschen.
Wer täglich unterwegs ist, weiß oft am besten, wo Mobilität nicht funktioniert.
Deshalb sollen Menschen frühzeitig mitreden können. Wir machen Beteiligung bei
größeren Verkehrsprojekten zum festen Bestandteil der Planung und holen die
Erfahrungen von Anwohner:innen, Schüler:innen, Eltern, Senior:innen und Menschen
mit Behinderungen frühzeitig ein. Wir stärken Mobilitätswerkstätten vor Ort,
damit konkrete Probleme wie unsichere Schulwege, fehlende Querungen oder
schlechte Busverbindungen direkt in die Planung einfließen.
Wir wollen auch wissen, wie Menschen im Saarland tatsächlich unterwegs sind.
Dazu gehören auch Wege, die in klassischen Pendlerstatistiken kaum sichtbar
werden.
Wir erfassen neben Arbeitswegen auch Wege zur Schule, zur Kita, zur Arztpraxis,
zum Einkaufen, zur Pflege und in der Freizeit. Wir nutzen diese Daten, um
Angebote dort zu verbessern, wo Menschen tatsächlich unterwegs sind und nicht
nur dort, wo heute bereits Busse oder Bahnen fahren. Die Verkehrszählungen des
Saarlandes liefern bereits wichtige Grundlagen für Verkehrsplanung und
Mobilitätsstudien. Diese Datengrundlage wollen wir um die unterschiedlichen
Alltagswege der Menschen ergänzen.
5. Wir gestalten Mobilität aus einem Guss.
Wir wollen den öffentlichen Verkehr im Saarland als ein zusammenhängendes System
denken. Bus, Bahn, Fahrrad, Car-Sharing, Taxi und On-Demand-Angebote sollen
besser zusammenspielen. Wir schaffen Mobilitätsstationen, an denen Bus, Bahn,
Fahrrad, Car-Sharing und weitere Angebote einfach miteinander verbunden sind.
Wir entwickeln eine gemeinsame digitale Mobilitätsauskunft, die eine komplette
Reisekette plant und dabei auch Verspätungen, Ausfälle und verfügbare Sharing-
Angebote berücksichtigt.
6. Wir schaffen schnelle und verlässliche Verbindungen
zwischen den Mittelzentren und Saarbrücken.
Wir wollen starke Verbindungen zwischen den Mittelzentren und dem Oberzentrum
Saarbrücken. Wir verbessern die Verbindungen von Homburg, St. Wendel, Lebach,
Merzig sowie den Kreisstädten Saarlouis und Neunkirchen nach Saarbrücken durch
bessere Takte, kürzere Fahrzeiten und verlässliche Anschlüsse. Bei Baustellen
oder Ausfällen sorgen wir für verlässlichen Ersatzverkehr, damit wichtige
Verbindungen nicht einfach unterbrochen werden. Das bestehende Landesbusnetz
setzt mit PlusBus und ExpressBus bereits auf direkte und schnelle Verbindungen
zwischen zentralen Orten. Dieses Prinzip wollen wir konsequent weiterentwickeln.
7. Wir verbinden die Großregion stärker.
Wir verbessern die Verbindungen zwischen Saarbrücken, Luxemburg, Metz und Trier
und stimmen Fahrpläne grenzüberschreitend besser aufeinander ab. Wir setzen uns
für einfache Tarife und verständliche Informationen ein, damit eine Fahrt über
die Grenze genauso unkompliziert geplant werden kann wie eine Fahrt innerhalb
des Saarlandes.
8. Wir verbessern die nationale und internationale
Erreichbarkeit des Saarlandes.
Das Saarland braucht gute Verbindungen nach Deutschland und Europa. Wer in
Saarbrücken oder im ländlichen Raum lebt, soll für längere Reisen nicht auf das
Auto angewiesen sein. Wir verbessern die Anschlüsse des Saarlandes an den
nationalen und europäischen Fernverkehr und setzen uns für kürzere Reisezeiten
und bessere Anschlüsse ein. Wir sorgen dafür, dass wichtige Fernverkehrsknoten
und Flughäfen zuverlässig mit Bahn und ÖPNV erreichbar sind.
9. Wir modernisieren unsere Mobilitätsnetze und machen sie
widerstandsfähig.
Mobilität muss auch dann funktionieren, wenn etwas schiefgeht. Baustellen,
Unwetter, technische Ausfälle oder Unfälle dürfen nicht ganze Regionen vom
Verkehr abschneiden. Wir entwickeln einen landesweiten Plan für Ersatzverkehre
bei größeren Störungen und sorgen für schnelle und verständliche Informationen
für die Fahrgäste. Wir modernisieren Straßen, Brücken, Radwege, Bahnhöfe und
Haltestellen vorausschauend und machen sie widerstandsfähiger gegen Hitze,
Starkregen und andere Folgen des Klimawandels.
10. Wir schaffen gleichwertige Mobilität in Stadt und Land.
Gute Mobilität darf keine Frage des Wohnortes sein. Auch in kleinen Gemeinden
und Ortsteilen muss man ohne eigenes Auto gut zur Arztpraxis, zum Einkauf, zur
Schule oder zum Bahnhof kommen können. Wir ergänzen den Linienverkehr dort, wo
er nicht ausreicht, durch Rufbusse, On-Demand-Angebote und Bürgerbusse. Sie
können dort, wo der reguläre ÖPNV Lücken hat, eine wichtige Ergänzung sein. Wir
schaffen auch abends und am Wochenende verlässliche Mobilitätsangebote für
Menschen in kleineren Gemeinden und Ortsteilen.
11. Wir machen Mobilität bezahlbar.
Gerade für junge Menschen sind Bus und Bahn von besonderer Bedeutung, da sie
ihnen ermöglichen, selbstständig und unabhängig mobil zu sein. Deshalb brauchen
wir kostenlosen ÖPNV für Schüler:innen, Azubis und Freiwilligendienstleistende.
Denn Mobilität für junge Menschen darf kein Luxus sein. Unser langfristiges Ziel
ist ein kostenloser Nahverkehr im Saarland für alle.